An(ge)dacht

Im Mittelalter hatten die Menschen Angst vor vielen Dingen. Der Alltag mit Krieg, Hungersnöten, Epidemien und Unterdrückung durch die Herrschenden war schon schwer genug, da kam noch die Angst vor den unsichtbaren Mächten wie Teufel und   Dämonen.

Wie gut, könnte man denken, dass da wenigstens noch der Glaube an Gott eine Hilfe war. Aber weit gefehlt. Denn auch vor ihm musste man sich in Acht nehmen, wurde er doch von der damaligen Kirche als strafender Gott gepredigt, der auf Schritt und  Tritt geachtet und auch die kleinsten  Vergehen geahndet hat. Als  Rettung bot die katholische Kirche damals die Ablassbriefe an, mit deren Kauf man den Weg zum Himmel wieder passierbar machen konnte: „Wenn der Taler im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“.

Die Legende des Tintenflecks in Martin Luthers  Schreibstube auf der Wartburg ist wohl so zu erklären, dass er gerade eben diese Praxis der damaligen Kirche mit dem Tintenfass, also schreibend, bekämpft hat. Und er hat diese Praxis selbst mit dem „Bösen“ gleichgesetzt. Denn das, was Menschen einander antun, ist weit gefährlicher als das, was „unsichtbare Mächte“ uns antun können. Aus dem Griechischen „diabolos“ übersetzt bedeutet Teufel wörtlich „Durcheinanderwerfer“ im Sinne von verwirren, Fakten verdrehen und verleumden. In fast allen Religionen der Welt wird der Teufel als Personifikation des Bösen verstanden. Er steht als Zeichen für das Böse in der Welt, das sich aber in erster Linie darin äußert, was wir Menschen einander tun, also  auch in dem, was wir sagen, in falschen Nachrichten, die in die Welt gesetzt werden um Menschen zu beängstigen oder Macht über sie auszuüben.

Es gibt viele Arten, wie sich der Teufel als Personifikation des Bösen in der Welt zeigt. Die Bibel erzählt, dass Jesus, nachdem er 40 Tage in der Wüste gefastet hatte, dem Teufel begegnete, der ihm sagte, als Sohn  Gottes könne er doch Steine in Brot verwandeln. Danach brachte er Jesus auf die Zinne des Tempels und  sagte, er solle doch springen, denn als Sohn Gottes würden ihn die Engel doch retten. Und zuletzt bot er Jesus alle Reichtümer der Welt, wenn dieser sich nur hinknien und ihn anbeten würde. Jesus hat jedes Mal widerstanden und auf Gott verwiesen: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt“ und „Du sollst den Herrn deinen Gott, nicht versuchen, und nur ihm alleine dienen“. Damit weist Jesus den Teufel in seine Schranken und zeigt, dass die Macht Gottes, die Macht der Liebe und der Wahrheit viel größer und mächtiger ist als das Böse in der Welt. Und er zeigt, dass es immer wieder nötig ist, den „Versucher“, den Verwirrer und  Durcheinanderwerfer – auch in uns selbst - zu bekämpfen. Durch die Vergebung der Sünde  hat uns Jesus Christus befähigt, den „Teufel“ nicht zu fürchten, sondern das Böse in der Welt  zu bekämpfen, mit Taten der Liebe und mit der Wahrhaftigkeit.

 

Ihre Pfrn. R. Arendt-Wolff