An(ge)dacht

Roseli

Liebe Leserinnen und Leser!

Mit der kostenlosen Verteilung des Gemeindebriefes an alle Haushalte in Wallhausen, Brücken, Hohlstedt, Hackpfüffel, Martinsrieth und Riethnordhausen wollen wir Ihnen seitens der evangelischen Kirchengemeinde einen herzlichen Weihnachtsgruß zukommen lassen. Darüber hinaus wollen wir Sie über die Aktivitäten und Termine in den kommenden Wochen informieren und herzlich dazu  einladen.

Trotz der Dunkelheit und der kalten Temperaturen  - vielleicht aber gerade deswegen - ist Weihnachten ein Fest der Bewegung und der Begegnung. Es tut gut, sich zu bewegen, Begegnung zu fördern und zu erleben. Auch ein bekanntes Wort zur Weihnachtszeit bringt das zum Ausdruck: Mache dich auf, werde Licht!

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein  Imperativ, eine Aufforderung. Kann es auch zur  Überforderung werden? So  kommt es mir manchmal vor. Zu viel Bewegung in der Weihnachtszeit kann auch in Hektik ausarten wenn ich mir in den wenigen Wochen so viel vornehme, so viel zu erledigen versuche, von dem obligatorischen Plätzchenbacken über die so und so vielte Weihnachtsfeier bis hin zum Besorgen der vielen Geschenke.

Andererseits fällt mir auf, wie oft ich schon im „normalen“ Leben Hektik erlebe oder verbreite – bei mir selbst wenn etwas zu erledigen ist, oder bei meinen Kindern: Komm, mach schon! Beeile dich! Trödle nicht rum! Tu dies! Tu das! Und dann merke ich, wie ich damit nur das Gegenteil erreiche: Lethargie anstatt Tatenfreude, Schatten anstatt Licht. Je heftiger der Aufruf, desto kleiner die Wirkung.

Mache dich auf, werde Licht! Das ist schön gesagt, aber wie soll ich  Licht sein, wenn es in mir dunkel ist, wenn ich überfordert bin und mich antriebslos fühle? Wenn ich keine Kraft mehr habe? Wenn in den kurzen, dunklen Wintertagen sogar die Natur gegen mich zu spielen scheint?

Ich lese den Satz noch einmal: Mache dich auf, werde Licht … denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir… und merke, dass er weiter geht: Das Licht kommt schon von woanders  her. Die Herrlichkeit wird mir geschenkt, geht durch mich hindurch, verändert und setzt mich in Bewegung. Sie gibt mir die Kraft, gegen den Sog anzugehen, der mich antreiben oder  am Boden halten will.

Die Hirten auf dem Felde haben es in der dunklen Nacht ihres trüben Alltags auch nicht für möglich gehalten, dass da etwas Neues kommen könnte. Aber sie sind dem Wort des Engels gefolgt, so wie später die Weisen aus dem Morgenland, die sich auf den Weg gemacht haben. Hirten wie Weisen –sie haben das Licht durch sich hindurch scheinen, haben sich verändern lassen. Sie haben an das Unmögliche geglaubt und sind einen neuen Weg gegangen. Mache dich auf, werde Licht – das muss nicht immer eine revolutionäre Tat sein. Das kann das kleine Zeichen im Alltag schon sein. Der Wille zur Veränderung. Das Wort der Versöhnung. Der Schritt in Richtung meines Mitmenschen, mehr Verständnis für seine Not. Weniger Überforderung, weniger Aggression.

Das Licht zulassen, das ist der Anfang. Dazu muss man nicht auf Weihnachten warten. Dazu ist jeder Augenblick, jeder Tag Zeit.

Es grüßt herzlich

Ihre Pfarrerin R. Arendt-Wolff