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Pfr. Sterzik Liebe Gemeinden, Adventszeit - Zeit der Besinnung, Zeit der Stille, Zeit des zur Ruhe Kommens!
Davon spüren wir oft nichts in diesen Tagen. Jeder hat etwas vorzubereiten, viele arbeiten akribisch ihre ToDo-Liste ab. Wir sind viel unterwegs, um alle Dinge gut zu erledigen. Eigentlich will ich es gar nicht, das viele Herumhetzen. Doch auch ich bleibe davon nicht verschont. Adventsfei-ern, Besuche, Geschenke besorgen. Im Radio höre ich Weihnachtsmusik. Es ist schade, dass die alten Adventslieder oft übersprungen werden und Weihnachtslie-der den Vorrang haben. Ich höre: „Herbei, oh ihr Gläubigen… Oh kommet, oh kom-met nach Bethlehem“, heißt es da.
Ich denke über die Weihnachtsgeschichte nach und mir fällt auf, dass sie voll von Menschen ist, welche sich auf den Weg machen. Es ist eine bewegte Geschichte. Da sind Maria und Josef. Schon viele Tage laufen sie den be-schwerlichen Weg von Nazareth nach Bethlehem. Es ist nicht ungefährlich, unterwegs zu sein mit einer hochschwangeren Frau und das auch noch zu Fuß. Maria, de-ren Lebensweg plötzlich eine Wen-dung nimmt, wie sie es sich nie hätte träumen lassen. Josef, der da irgendwie so „hineinrutschte“, der sich plötzlich auf einem völlig neuen Weg befindet, ganz ohne zu wissen, wie und wo er enden wird. Aber beide erscheinen wie zwei Menschen, die ihren Weg, ihren gemeinsamen Weg, angenommen haben und ihn zusammen meistern wollen. Besonders Marias Vertrauen auf Gott ist dabei wohl eine sichere Hilfe. Im Stall von Bethlehem gipfelt ihr Weg und sie dürfen erschöpft, aber glücklich, zur Ruhe kommen und ihr neugeborenes Kind in den Armen halten.
Auch die Hirten sind unterwegs. Sie kennen es nicht anders. Sie ziehen mit ihren Tieren umher, um gute Weideplätze zu finden. Sie wissen, was es heißt, unter-wegs zu sein. In Hitze und Kälte auszuharren, Gefahren und Unwettern ausgesetzt, und dann noch nicht einmal geachtet zu werden von den Menschen. Aber als gera-de sie von den Engeln, die sich vom Him-mel auf den Weg zur Erde gemacht haben, erfahren, dass Gott ihnen seinen Sohn schenkt, gibt es für sie kein Halten mehr. Sie laufen los. Sie laufen aus Neu-gier, aus Erwartung, aus Hoffnung, und sie finden das Kind, das ihnen Licht in die dunkle Welt bringt.Und dann sind da noch die drei Weisen. Sie haben wohl den längsten Weg vor sich. Nacht für Nacht suchen sie am Ster-nenhimmel nach einem Zeichen. Nach dem Zeichen, welches ihnen verkündet, dass ein neuer, ganz besonderer König das Licht der Welt erblickt hat. Als sie ei-nen ganz erstaunlich hellen Stern entde-cken, machen sie sich auf den Weg. Sie denken sogar noch daran, Geschenke einzupacken für den neugeborenen Kö-nigssohn. Und obwohl ihnen viel Klugheit und Weitsicht nachgesagt wird, schlagen sie unterwegs einen falschen Weg ein. Sie verlassen sich einen Augenblick nicht auf die Navigation des Sterns. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass sie einen Königs-sohn in einem Palast vermuten, in Reich-tum und Prunk. Rasch erkennen sie ihren Irrtum und folgen dem Stern. Was sie dann im kleinen Stall von Bethlehem er-wartet, lässt sie auf die Knie gehen. Ein Königskind in einer Krippe, welches trotz der bescheidenen Umgebung Gottes Herrlichkeit und Liebe ausstrahlt.
Alle, die in unserer Weihnachtsgeschichte unterwegs sind, kommen an der Krippe zusammen. Ihre Wege führen sie zum neugeborenen Kind - Gottes Kind. Gott selber macht sich auf den Weg. Er kommt den Menschen nahe und schenkt ihnen seinen Sohn. Und damit ist der Weg nicht zu Ende. Mit der Weihnachtsgeschichte beginnt er, der neue Weg.
Es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes bewegende Geschichte. Sie will uns er-zählen von Liebe, Hoffnung und Barmher-zigkeit. Sie will uns ermuntern, neue We-ge nicht zu scheuen. Sie will uns Gottes Nähe nahebringen. Und wir? Lassen wir uns darauf ein? Lassen wir uns bewegen? Öffnen wir unsere Herzen? Springt er auf uns über, dieser Funke der Liebe? Können wir uns einlassen auf das Geschenk Got-tes und weitergeben, was wir empfangen haben? Sehen wir, wo und von wem wir gebraucht werden? Nehmen wir sie wahr, die Augenblicke der Ruhe, die so wertvoll sind, um uns selbst nicht aus den Augen zu verlieren? Leben auch wir sie, die Hal-tung der Achtung, Wertschätzung und Toleranz?
Wir selber können dazu beitragen, dass eine Atmosphäre der Freundlichkeit und Achtsamkeit in unserer Umgebung herrscht - entgegen aller Hoffnungslosig-keit, entgegen aller Enttäuschung, entge-gen aller Resignation, entgegen aller Traurigkeit. Wir entscheiden selbst, ob wir geduldig und friedfertig handeln. Wir sind diejenigen, die durch ihr Tun etwas von Gottes Liebe in die Welt tragen können. Das heißt verzeihen üben, barmherzig sein, Versöhnung beginnen, Rücksicht nehmen. Ein freundliches Wort, ein gutes Gespräch, die Zusage, für jemanden da zu sein, ein Lächeln zu einem Fremden. Diese und ähnliche Dinge lassen uns zu Wegbereitern werden. Dann kann Gott ankom-men, in uns ankommen - in uns selbst und in anderen.
Ein gesegnetes und bewegendes Weihnachtsfest wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer
Dirk Sterzik

 

 

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